Sabatina
"Sabatina"
Vom Islam zum Christentum – ein Todesurteil
SABATINA JAMES
217 Seiten, Hardcover

Die aufregende Autobiografie einer jungen Pakistani,
die in Österreich aufwächst und mit zunehmendem Alter in Widerspruch zu den Traditionen ihrer Familie gerät.

Nachdem Verschleppung, Umerziehung und Zwangsheirat nicht zum „Erfolg“ führen und Sabatina sogar beginnt, sich für die christliche Botschaft zu interessieren, ist für die Eltern die Familienehre zerstört. Aus Angst vor der Ermordung durch die eigene Familie lebt die junge Frau versteckt in Wien.

 

"Manchmal, wenn ich allein auf der Straße gehe, bekomme ich Angst. Waren da nicht Schritte? Verfolgt mich jemand? Ich drehe mich abrupt um und suche mit den Augen die Straße nach möglichen Verfolgern ab, ehe ich so schnell wie möglich nach Hause laufe, ohne mich noch einmal umzudrehen. Ich gehe selten allein auf die Straße.

Manchmal, wenn ich allein in der U-Bahn sitze und ein Pakistani in meinen Waggon steigt, zucke ich zusammen. Sucht er mich? Ist er auf mich angesetzt? Und wenn ja, von wem? Von meinen Eltern? Meinen Verwandten? Dann steige ich an der nächsten Station aus und warte ab, was er tut. Erst wenn der Zug weiterfährt und der Pakistani an mir vorbeirollt, ohne mich anzusehen, entspanne ich mich ein wenig. Ich fahre selten allein mit der U-Bahn.

Manchmal, wenn ich abends im Bett liege und mein Handy läutet, schrecke ich hoch. Haben sie schon wieder meine Nummer herausgefunden? Wollen sie mich wieder einschüchtern? Wissen sie vielleicht sogar, wo ich wohne? Ich habe schon mehrmals meine Handynummer gewechselt, trotzdem haben sie sie jedes Mal herausgefunden und gewählt. Nachts, meist gegen Mitternacht, wenn ich normalerweise schon schlafe. Ich sage kein Wort, wenn ich abhebe, trotzdem wissen sie, dass ich am Apparat bin. "Wir finden dich", schreien sie ins Telefon. "Wir erwischen dich. Bald holen wir dich." Dann weiß ich, dass ich mir eine neue Bleibe suchen muss. Wieder einmal.

Im vergangenen November bin ich einundzwanzig Jahre alt geworden. Ich wurde in einem kleinen Dorf im Nordosten Pakistans geboren und lebe heute in einer fremden Stadt, wo ich niemanden kenne und mich hoffentlich niemand erkennt. Ich bin das, was Kriminalisten ein "U-Boot" nennen: ich habe keinen festen Wohnsitz, kaum Freunde, wenig Kontakt zur Außenwelt.

Ich bin österreichische Staatsbürgerin - und ich habe große Angst, meinen nächsten Geburtstag nicht mehr zu erleben. Das mag übertrieben klingen. Unrealistisch vielleicht. Und genau so reagierten die Behörden, als ich zum ersten Mal zur Polizei ging, um den Beamten meine Geschichte zu erzählen. Wahrscheinlich hielten sie mich für einen Teenager, der zu viele schlechte Filme gesehen und noch mehr Schundromane gelesen hat... "

(aus dem Prolog des Buches)

 

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