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Erwiderung Fritz Poppenberg zu Artikel in "biologenheute", Ausgabe 6/2002


An die Redaktion "biologenheute"
Corneliusstraße6
80469 München

Berlin, 02. Januar 2003

Ihr Artikel zu meiner Person

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie schreiben in Ihrer Ausgabe 6/2002, dass ich von Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig "zur Beobachtung" des Symposiums Evolutionsbiologie während der Jahrestagung des vdbiol in Potsdam "geschickt wurde". Dort, so schreiben Sie, hätte ich die Vortragenden (Kutschera et al.) ohne Rücksprache zu filmen versucht, aber wurde des Saales verwiesen.
Es trifft zu, dass mich Herr Lönnig auf das Symposium aufmerksam gemacht hat, "hingeschickt" wurde ich jedoch nicht.

Alle anderen Vorwürfe in ihrem Artikel sind schlicht erfunden worden. Sie versuchen Ihre Leserschaft zu täuschen, indem Sie verschweigen, dass ich mich als Wissenschaftsjournalist vor dem Kutschera-Vortrag bei dem Veranstalter offiziell anmeldete. Die Damen von der Organisation vermittelten sodann den Kontakt zu Herrn Dr. Georg Kääb vom vbjol, der mich begrüßte und willkommen hieß und sich für eventuelle weitere Fragen zur Verfügung stellte.

Nun zu der Filmkamera, die ebenfalls eines Ihrer Phantasieprodukte ist, mit der Sie Ihre Leserschaft zu täuschen versuchen:
Während des öffentlichen Vertrages ließ ich ganz offen und für jedermann sichtbar mein Diktafon mitlaufen, um für den Artikel eine bessere Gedächtnisstütze zu haben, bekanntlich ein Verfahren, das täglich von Tausenden von Journalisten angewendet wird. Dass mein kleines harmlos eingesetztes Diktafon durch Ihre Zeitschrift zu einer böswillig geführten Filmkamera wird, erinnert an unseriösen Boulevardjournalismus. Als dann Herr Kutschera plötzlich und für mich völlig überraschend einen meiner Filme vorstellte und begann, abfällig über ihn zu sprechen, meldete ich mich sofort und wies Herrn Kutschera daraufhin, dass ich anwesend bin.

Es kann also keine Rede von irgendeiner Heimlichtuerei meinerseits sein. Schließlich wurde ich auch keineswegs des Saales verwiesen, wie Sie schreiben, sondern verließ nach dem Ende des Kutschera-Vortrages aus freien Stücken den Saal. Übrigens verrate ich Ihnen gerne den ganz undramatischen Grund für meinen Aufbruch: Ich hatte meinem elfjährigen Sohn versprochen, einen Pflaumenkuchen zu backen.

Ich habe mich also im Gegensatz zu Ihrer unwahren Darstellung in jedem Stadium des Geschehens korrekt und offen verhalten und habe übrigens entsprechende Beweise, unter anderem auch die erwähnte Diktafonaufnahme.

Die ganze Sache wäre kaum weiter erwähnenswert und längst vergessen, hätte Herr Kutschera sie nicht unverständlicher Weise hochgekocht. Wenige Tage nach dem Vortrag erhielt ich einen Brief von ihm mit der Aufforderung, die bewusste Tonbandaufnahme seines Vortrages zu löschen verbunden mit der erstaunlichen Androhung, rechtliche Schritte gegen mich zu unternehmen.

Es dürfte wohl zu den seltenen Fällen gehören, dass ein Evolutionsbiologe versucht, seinen eigenen Vortrag verbieten zu lassen. Um es klipp und klar zu sagen: Nicht ich habe etwas zu verbergen, wie Sie in Ihrer Zeitschrift behaupten, sondern offensichtlich Herr Kutschera, der vermutlich Sorge hat, dass seine meines Erachtens einfältigen und ideologisch gefärbten Äußerungen in die Öffentlichkeit geraten und auf ihn zurückfallen könnten.

Sie haben in Ihrer Zeitschrift ebenfalls einen Artikel von Prof. Olaf Breidbach abgedruckt, der eine ganze Reihe von falschen Tatsachenbehauptungen enthält und versucht, mich und meinen Film "Gott würfelt nicht" in Misskredit zu bringen. Unwahr ist, dass ich Herrn Breidbach darüber im Unklaren gelassen habe, dass der beabsichtigte Film eine kritische Auseinandersetzung mit Darwinismus und Neodarwinismus beinhaltet. Mir liegen Aufzeichnungen vor, die dokumentieren, dass ich ihm mitteilte, dass der in Rede stehende Film der Frage nachgeht, ob nicht doch ein bewusst angelegter Bauplan hinter dem Leben steht. Weiter geht daraus hervor, dass ich ihm mitgeteilt habe, dass ich das "biogenetische Grundgesetz" Haeckels für falsch halte, dass die Darwinsche Erwartung sich an vielen entscheidenden Punkten nicht erfüllt hat, dass die Mendelsche Entdeckung in Widerspruch zur Darwinschen Erbvorstellung steht, dass die Mutationsforschung sich als grandiose Sackgasse erwiesen hat usw. usf.

Zwar wurde mir im Gespräch mit Herrn Breidbach - er datiert meine Kontaktaufnahme mit dem Haeckel-Haus übrigens ein Jahr vor das tatsächliche Datum - deutlich, dass er die Grundaussage meines Films nicht teilt, doch darin schien er selbst kein größeres Problem zu sehen, ließ er sich doch nur zwischen Tür und Angel auf mich und mein Vorhaben ein, ständig abgelenkt von Telefonanrufen und Vorgängen, die unser Gespräch unterbrachen. Zudem war Herr Breidbach der einzige von den im Film erscheinenden Wissenschaftlern, der weder das Drehbuch, noch etwas anderes Schriftliches für eine seriöse Arbeitsgrundlage anforderte. Dass er nun behauptet, ich habe das Interview mit ihm erschlichen, trifft also nicht zu. Es erhebt sich vielmehr die Frage, ob Herr Breidbach als Leiter des Haeckel-Hauses im Umgang mit Journalisten überhaupt geschäftsfähig ist. Er behauptet weiter, dass ich ihn getäuscht hätte, indem ich erklärte habe, einen Film über Ernst Haeckel drehen zu wollen. Es trifft zu, dass wir im Verlauf des Gesprächs über einen solchen Film sprachen, allerdings - und hier sagt Herr Breidbach wiederum die Unwahrheit -handelte es sich hierbei um ein zweites Filmvorhaben, welches eventuell irgendwann in der Zukunft realisiert werden sollte.

Dass ich zur damaligen Zeit kein Haeckel-Portrait drehen wollte, sondern mein Thema sehr viel weiter gefasst war, beweist auch die Tatsache, dass es Herr Breidbach selbst war, der den Kontakt zu Herrn Hoßfeld herstellte, den ich bis dahin gar nicht kannte. Das Thema Herrn Hoßfelds war aber nicht Haeckel, sondern Lyssenko, und genau zu diesem Thema befragte ich Herrn Hoßfeld.

Herr Breidbach behauptet, dass die Interviewpassagen mit ihm und mit Herrn Hoßfeld vor der Fertigstellung des Films durch die Interviewpartner autorisiert werden sollten. Eine solche Absprache gab es tatsächlich, aber nur mit Herrn Hoßfeld, der sich durch kritische Nachfragen weit mehr für das Filmvorhaben interessierte, als Herr Breidbach. Da die Interviewpassage mit Herrn Hoßfeld aber der Schere zum Opfer fiel, hatte ich auch nichts, was ich ihm zur Autorisierung hätte vorlegen können.

Ferner behauptet Herr Breidbach, dass sein Sekretariat bei meiner Firma nach dem Stand der Filmarbeiten gefragt hätte. Eine solche Nachfrage gab es nicht. Hingegen gab es aber einen Anruf von mir in seinem Sekretariat, in dessen Verlauf ich mitteilte, dass MDR und WDR sich nicht wie erwartet an der Finanzierung des Films beteiligen würden, es also in absehbarer Zeit keine TV-Ausstrahlung geben würde, was genau den Tatsachen entsprach und womit ich mein Versprechen einlöste, das Haeckel-Haus auf dem Laufenden zu halten.

Nach der Fertigstellung des Films im Spätsommer 2001 sind routinemäßig Videokassetten an alle im Film erscheinenden Interviewpartner gegangen, so auch an Herrn Breidbach. Sollte einzig diese Videokassette nicht angekommen sein, so ist das gerade in Anbetracht der jetzigen Reaktion Herrn Breidbachs sehr bedauerlich.

Weiter behauptet Herr Breidbach, dass ich aufgrund seiner Anregung auf einer internationalen Tagung zur Evolutionsbiologie in Italien für meinen Film Aufnahmen gemacht hätte. Auf einer solchen Tagung aber bin ich nie gewesen.

Laut Herrn Breidbach hätte ich mir das Qualitätssiegel von Wissenschaftseinrichtungen, wie dem Haeckel-Haus in Jena und der MPG (Max-Planck-Gesellschaft) erschlichen, um "meine unsinnigen Argumente" zu untermauern.
Zum Haeckel-Haus, dessen Leiter Herr Breidbach ist, möchte ich zu dem bereits oben Erwähnten hinzufügen, dass diese Einrichtung meines Wissens kein privater weltanschaulich ausgerichteter Verein ist, sondern aus öffentlichen Mitteln getragen wird. Insofern gibt es meiner Meinung auch dann eine gewisse Auskunftspflicht zu Ernst Haeckel, wenn dem Leiter des Hauses die Weltanschauung seines Gegenüber nicht passt. Sollte Herr Breidbach eine entgegengesetzte Haltung vertreten, sollte meiner Meinung nach das aufsichtsführende Gremium des Hauses davon in Kenntnis gesetzt und die Frage geprüft werden, ob Herr Breidbach die geeigneten Voraussetzungen für die Leitung des Hauses mitbringt.

Im Gegensatz zur Behauptung Herrn Breidbachs, dass in meinem Film "Gott würfelt nicht" die MPG als Qualitätssiegel genannt wird, ist zu sagen, dass diese Einrichtung weder im Film, noch im Nachspann erwähnt wird, obwohl eine Drehgenehmigung vom geschäftsführenden Direktor des MPIZ Köln vorlag. Wäre es mir also vordergründig auf "institutionelle Qualitätssiegel" angekommen, hätte ich diese, wie auch eine Reihe anderer Einrichtungen erwähnt. Insgesamt beinhaltet der Breidbach-Artikel eine Reihe von vollkommen aus der Luft gegriffenen falschen Tatsachenbehauptungen und ist in einem derartig unseriösen Stil verfasst, dass sich die Frage nach einer juristischen Bewertung des Vorgangs stellt. Um Herrn Breidbach jedenfalls von der Sorge zu befreien, dass er als "Kreationist" (was immer er in seinem Artikel mit diesem Begriff gemeint haben mag) verkannt werden könnte, werde ich veranlassen, dass ab sofort folgender Beipackzettel dem Film "Gott würfelt nicht" beigefügt wird.

Herr Prof. Dr. Dr. Breidbach, Leiter des Emst-Haeckel-Hauses in Jena, erscheint in diesem Film und äußert sich wie folgt dazu:
"Die Öffentlichkeit, insbesondere Schüler und Lehrer, seien nachdrücklich vor diesem Machwerk gewarnt (...) Der Film wird von uns als unseriöses Täuschungsmanöver bewertet, der der Biowissenschaft und allen, die über die Bedeutung der Biologie für unser modernes Bild vom Menschen nachdenken, nachhaltigen Schaden verursacht. (...) Personen, die als Journalisten oder Filmemacher derart vorgehen, sind aus der öffentlichen Diskussion zu verbannen, und ihre Machwerke sollten nur als Lehrstücke dafür herhalten, dass Demagogie auch im Mantel der Dokumentation verhüllt sein kann (...) Nachdrücklich distanzieren wir -die Mitarbeiter des Emst-Haeckel-Hauses - uns von diesem Machwerk."

Konkrete sachliche Einwände dagegen kamen von Herrn Breidbach nicht - womit einmal mehr die berechtigte Kritik unseres Films "Gott würfelt nicht" an Darwinismus und Neodarwinismus deutlich wird.

Mit der Bitte um ungekürzten Abdruck in Ihrer Zeitschrift und
mit freundlichen Grüßen



Fritz Poppenberg